Die gängigsten Rechtsformen für Freiberufler im Überblick

Erfahre, welche Unternehmens-Rechtsformen sich für Freiberufler besonders gut eignen und warum.

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Da du bis zu diesem Artikel vorgedrungen bist, schließe ich, dass du dich bereits ein wenig mit den notwendigen Voraussetzungen für eine selbstständige Tätigkeit als Freiberufler auseinandergesetzt hast. Bestimmt ist dir auch klar, dass zum Unternehmertum mehr gehört, als einfach sein eigener Boss zu sein.

Sollte das nicht der Fall sein, könnten dich diese Artikel interessieren: Schritt für Schritt in die Digitale Selbstständigkeit

Was du dir aber höchstwahrscheinlich von diesem Artikel versprichst, ist ein erster Einblick in die formelle Seite der Unternehmensgründung in Deutschland und speziell die Behandlung der einzelnen, für Freiberufler in Frage kommenden Rechtsformen. Also here we go!

Das Einzelunternehmen (EU)

Die einfachste und naheliegendste Rechtsform für angehende Unternehmer mit wenig bis gar keinem Startkapital ist die Selbstständigkeit als Einzelunternehmer (EU). Mit einem unangemeldeter Besuch beim Amt deines Wohnbezirks (oder wo du dein Unternehmen sonst registrieren möchtest) ist die Anmeldung des Einzelunternehmens im Handumdrehen erledigt und kostet dich lediglich eine einmalige Gewerbeschein-Gebühr zwischen 15 und 60€. Außerdem wird man dich nach einem gültigen Ausweisdokument, deiner Geburtsurkunde, der Adresse und einer Beschreibung deines zukünftige Unternehmens fragen, d.h. welche Art von Serviceleistung oder Produkt wirst du anbieten; wird die Tätigkeit nebenberuflich oder hauptberuflich ausgeführt etc.

Bevor du weißt wie dir geschieht, sind die Unterlagen bereits ausgefüllt, der Antrag abgeschickt und ein paar Tage (maximal 2 Wochen) später bist du offiziell eingetragener Unternehmer oder Unternehmerin in Deutschland.

Die Kleinunternehmerregelung

Im wahrscheinlichen Fall, dass dein erstes Geschäftsjahr sich als Orientierungsjahr entpuppt und ohne nennenswerte Gewinne abschließt, tritt die Kleinunternehmerregelung in Kraft. Diese kommt deutschen Entrepreneuren insofern entgegen, als dass sie einsteigenden Unternehmen einen Erlös von bis zu 17.500€ unternehmenssteuerfrei zuspricht. Auch musst du deinen Kunden nach § 19 Abs. 1 keine Umsatzsteuer berechnen. Eine von der Steuerklasse abhängige Einkommenssteuer fällt am Ende des Jahres allerdings trotzdem an.

Vorteile eines EU
  • Schnelle und einfache Beantragung / Anmeldung
  • Kein Startkapital notwendig
  • Geringe Registrierungsgebühr
  • Keine Steuern auf einen Gewinn von bis zu 17.500€ im Jahr (KU)
Nachteile eines EU
  • Haftung mit dem Privatvermögen des Unternehmers
  • Sobald die 17.500€ überschritten werden, steigen die Unternehmenssteuern rasant an
  • Einkommenssteuer ist höher als bei Kapitalsteuer

Personengesellschaft: Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)

Diese Unternehmensform eignet sich für diejenigen unter euch, die sich als Freiberufler-Team selbstständig machen wollen. Ähnlich wie bei einem Einzelunternehmen benötigen du und deine Partner zu der Gründung einer GbR kein Startkapital. Auch ist für die Anmeldung weder ein Notar, noch eine Eintragung ins Handelsregister vorgeschrieben. Die Aufsetzung eines Gesellschaftervertrags ist bei der Gründung einer GbR verpflichtend, dieser kann aber auch mündlich abgeschlossen werden. Weiter benötigt eine GbR einen Gewerbeschein, der wie im Fall eines Einzelunternehmers spontan beim zuständigen Amt beantragt werden kann und je nach Bundesland zwischen 15€ und 60€ kostet.

Gegenüber einem Einzelunternehmen werdet ihr als GbR von potenziellen Gläubigern bevorzugt und könnt daher z.B. einfacher einen Kredit aufnehmen. Im Gegenzug bedeutet die geteilte Verantwortung und Haftung in einer GbR natürlich auch, dass der Zusammenhalt der Unternehmensgründer über die Zukunft eures Unternehmens entscheiden kann. Steigt ein Partner aus dem Freiberufler-Business aus, dann ist die Weiterführung der GbR ungewiss.

Vorteile einer GbR
  • Kein Startkapital erforderlich
  • Kein Eintrag ins Handelsregister
  • Angesehene Rechtsform gegenüber Gläubigern
  • Keine Steuern auf einen Gewinn von bis zu 17.500€ im Jahr (KU)
Nachteile einer GbR
  • Die GbR hängt von der langfristig erfolgreichen Zusammenarbeit der Partner ab
rechtsform für freiberufler

Kapitalgesellschaft: Die Freiberufler GmbH

Die Rechtsform der Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) ist – wie der Name bereits andeutet – aufgrund ihrer beschränkten Haftung für das Privatvermögen des Freiberuflers attraktiv. Da die Gesellschafter bei der Existenzgründung ein Gesellschaftskapital von mindestens 25.000 € anlegen, haftet dieses im Falle eines schnellen Bankrotts für das Unternehmen. Die Anmeldung einer GmbH ist etwas komplizierter als die eines Einzelunternehmens und kann nur Anstellung eines Notars vollzogen werden. Außerdem müssen die Gesellschafter (oder der gründende Freiberufler alleine) ein Startkapital von mindestens 25.000€ Gesellschaftskapital in die Unternehmenskasse Einzahlen und zusätzlich und sieht sich insgesamt Gründungskosten von bis zu 800€ gegenüber.

Bei der Gründung einer Einmann- oder Einfrau-GmbH solltest du bei der Aufsetzung deines Dienstvertrags (für eine Kapitalgesellschaft verpflichtend) darauf achten, dich als Geschäftsführer von § 181 BGB zu befreien, dem Gebot, mit sich selbst Verträge abzuschließen.

Auf lange Sicht wird dein Unternehmen mit einer GmbH steuerlich leicht bevorzugt und kann so im Idealfall anfangs getätigte Investitionen wieder wettmachen. Weitere Informationen zu einer GmbH-Gründung als Einzelperson findest du in diesem Beitrag.

Vorteile einer GmbH
  • Beschränkte Haftung mit dem Privatvermögen
  • Steuerliche Vorteile
Nachteile einer GmbH
  • Aufwändige Registrierung
  • Gründungskosten von bis zu 800€
  • Startkapital von mindestens 25.000€
  • Bilanzierungspflicht (Buchhaltungspflicht)

Die beste Rechtsform für Freiberufler | Fazit

Nach dem ersten Überfliegen der gängigsten Rechtsformen für Freiberufler, die ein Unternehmen gründen wollen, ist die Wahl des Einzelunternehmens am naheliegendsten. Solltest du deine Geschäftsidee zusammen mit einem Partner ausgetüftelt haben, bietet sich euch die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) an. Von Anfang an eine GmbH zu gründen, kann zwar auf lange Sicht das Kapital schützen und Geld sparen, ist aber mit viel höheren Gründungskosten verbunden und birgt somit ein höheres finanzielles Risiko. Natürlich kannst du bei erfolgreicher Tätigkeit als Freiberufler nach 1 oder zwei Jahren immer noch auf die Rechtsform der GmbH umsteigen.

Abschließende Anmerkungen

Ich bin weder gelernte Juristin, noch eine Expertin in Unternehmensrecht und habe mir die oben angegebenen Informationen selbst angelesen. Als angehender Unternehmer oder Freiberufler die richtige Rechtsform zu wählen, ist keine einfache Entscheidung, die von individuellen Voraussetzungen des Gründers (und seines Unternehmenskonzepts) bedingt wird. Wende dich für eine ausführliche Rechtsberatung daher bitte an einen Notar oder einen entsprechenden Rechtsberater.

Fotoquelle für diesen Artikel: Unsplash

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