Covid-19 für Digitale Nomaden | Wenn die Ortsunabhängigkeit zum Problem wird

Zugfahren Covid19

Covid-19 Das Ende der Reisefreiheit

Was bedeutet Covid-19 für Reisende? Ein Erfahrungsbericht. 

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Hättest Du mich vor zwei Wochen gefragt, ob ich trotz Coronavirus meine Reise fortsetzen und weiter als Digitaler Nomade die Welt bereisen würde, dann hätte ich Dir wahrscheinlich mit einem empörten JA geantwortet.

In der letzten Woche ist viel passiert und die Pandemie Covid-19 hat viel verändert. Tausende Menschen sind an dem hochansteckenden Virus erkrankt, zu viele gestorben. Zahlreiche Länder haben Einreiseverbote verhängt und in den Supermärkten streiten sich besorgte Hausfrauen um das letzte Paket Toilettenpapier.

Covid-19 – Leider kein schlechter Scherz

Fast kommt man sich vor wie in einem schlechten Sci-Fi Film, indem die Menschheit zum Untergang verdammt ist und nur der Superheld die Erde retten kann. Der einzige Haken: dieser Film scheint nicht nach 120 Minuten in einem Happy-End zu enden. Auch kann uns aus dieser Misere kein Tobey Maguire, kein Christian Bale und keine Natalie Portman retten.

Leere Supermärkte Covid 19
Bildquelle: Unsplash

Covid-19 haben wir uns – mal wieder – selber eingebrockt und dieses Mal hat die Erde sich zum Rückschlag entschieden. Dass die Erde mit jedem Tag heißer und die Naturkatastrophen häufiger werden, wussten wir bereits. Aber dass unsere kapitalistische Denkweise und ausbeutende Natur eine Pandemie hervorrufen könnte? Diese Realisierung sickert leider nur sehr langsam durch die trotzigen und arroganten Netze unserer Gesellschaft.

Was ist Covid-19?

Der Covid-19 Novel Coronavirus ist ein neuer Virus und noch dazu ein äußerst ansteckender und langlebiger. Bis im Dezember letzten Jahres in China der erste Verdacht aufkam, die außerordentliche Häufung von Patienten mit Lungenentzündung könnte auf eine uns völlig unbekannte Virusart zurückzuführen sein, waren bereits tausende Menschen mit Covid-19 infiziert.

Es dauerte einen weiteren Monat, bis die Presse in Europa und Nordamerika von der rasanten Entwicklung der Seuche in China Wind bekam – eine Zeitspanne, die in einer globalisierten Welt unerklärlich lang erscheint. Zum einen hing diese Verzögerung mit Sicherheit mit unzureichenden Testmöglichkeiten in chinesischen Krankenhäusern und Laboren zusammen. Zum anderen hat der Coronavirus nachweislich eine außergewöhnlich lange Inkubationszeit: Bis zu 20 Tage können verstreichen, bevor der Infizierte Symptome zeigt und in vielen Fällen fallen diese so mild aus, dass die Krankheit gänzlich unentdeckt bleibt.

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Warum haben wir Covid-19 unterschätzt?

Die potenzielle Abwesenheit offensichtlicher Symptome ist auch der Grund, aus dem ich selbst das Ausmaß dieser Pandemie unterschätzt habe. Viel zu spät wurde mir bewusst, dass ich selbst Träger von Covid-19 sein und meine Mitmenschen anstecken könnte, ohne mich krank zu fühlen.

Anfang März reiste ich trotz Coronavirus-Warnung nach Berlin und verbrachte dort eine wunderbare Zeit mit Freunden und Kollegen aus der Reisebranche. Wir alle waren nach Berlin gereist, um die ITB (Internationale Tourismus-Börse Berlin) zu besuchen – welche allerdings aus Sicherheitsgründen zum Glück abgesagt wurde. Von Berlin setzten wir unsere Reise nach Prag weiter und obwohl die Zahlen der Infizierten laut Medien unverhältnismäßig schnell anstieg, sickerte die Ernsthaftigkeit der Situation erst nach und nach zu uns durch.

Unsere Abreise aus Prag

Am Freitag, den 13. März erklärte Tschechien den Notstand und verkündete die Schließung seiner Grenzen bis Sonntag, den 15. März. Außerdem sollten sämtliche Zug- und Busverbindungen bereits ab Samstagmorgen gestrichen werden. Planmäßig hätten mein Partner Greg und ich am Sonntag eine 14-tägige Fotokampagne auf der portugiesischen Insel Madeira beginnen sollen, doch diese schien in Anbetracht der steigenden Fallzahlen von Coronavirus und stündlich neu verkündeten Schutzmaßnahmen wie Quarantäne und Grenzschließung im europäischen Raum plötzlich riskant und unangebracht.

Innerhalb einer Stunde packten wir also unsere Koffer und verließen kurzerhand unsere Airbnb Wohnung in Prag. Eine weitere Stunde später überquerten wir in einem der letzten Züge die Grenze zu Deutschland.

Selbst verordnete Quarantäne

Die nächste Woche werden wir in selbst verordneter Quarantäne verbringen – nur für alle Fälle – und der Besuch bei den Großeltern muss wohl auch ein paar Tage warten. Als Digitale Nomaden ohne einen festen Wohnsitz plötzlich doch an einen Ort gebunden zu sein, fühlt sich ein bisschen wie Freiheitsberaubung an. Trotzdem ist uns natürlich bewusst, dass unsere Lage im Vergleich mit anderen Menschen fast paradiesisch ist und unser Mitgefühl gilt vor allem Patienten und ihren Angehörigen. 

Für uns alle ist die Situation schwer und doch sind unsere Hintergründe und Geschichten zu unterschiedlich, als dass man die Auswirkungen der Coronavirus-Krise für jeden einzelnen von uns generalisieren könnte. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir unsere Erfahrungen und Geschichten im Netz teilen. Dass wir uns online austauschen, unterstützen, uns Mut zureden. 💛

Hätten wir die Covid-19 Pandemie verhindern können?

Gesundheitsexpertin Alanna Shaikh erklärt in ihrem TED-Talk Corona sei “unsere Zukunft” und verweist auf die Möglichkeit, dass Pandemien wie Covid-19 in den nächsten Jahren immer häufiger werden könnte. Grund dafür sei unser unablässiger Eroberungsdrang, die Sehnsucht, die abgelegensten Orte dieser Erde zu erkunden und unser Eigen zu machen. “Wenn wir der Natur keinen Platz lassen, Natur zu sein, dann bekommen wir dies zu spüren”, so Shaikh. Außerdem kritisiert sie die ungleich ausgestatteten Gesundheitssysteme der unterschiedlichen Länder. Wenn ein Land wie China die Kapazitäten hätte, eine Pandemie frühzeitig zu erkennen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten, dann würde die Welt heute vielleicht etwas rosiger aussehen. Vielleicht.

Covid-19 Tipps – Das können wir tun!

Was können (und müssen) wir in der aktuellen Situation dennoch tun? Hierzu habe ich mir in den letzten Tagen viele Gedanken gemacht und bin auf folgende Punkte gekommen:

  1. Händewaschen. Säubere und desinfiziere Deine Hände nicht nur nach dem Toilettengang, sondern IMMER, wenn Du ein Gebäude betrittst oder verlässt, vor dem Essen, nach dem Essen und zwischendurch. Am einfachsten ist es, das Händewaschen so natürlich in die Routine des Tages einzubauen, dass wir es fast unterbewusst durchführen. 
  2. Reisen auf ein absolutes Minimum beschränken. So wenig es mir gefällt, an einem Ort festzusitzen, reisen ist gerade eher kontraproduktiv. Das bezieht sich nicht nur auf internationale Reisen (die aufgrund von Grenzschließungen sowieso nur eingeschränkt möglich sind), sondern auch auf die Fahrt zur Arbeit, zum Supermarkt etc. 
  3. Positiv bleiben. So furchtbar die Welt auch gerade scheinen mag, es gibt immer ein Licht am Ende des Tunnels. Denke also an all die Dinge, die Du in den kommenden Wochen zu Hause erledigen kannst. Vielleicht wolltest Du schon lange Deine Steuererklärung für 2019 fertig gemacht haben, den Kleiderschrank aussortieren oder die Küche streichen? Wenn wir jetzt eines haben, dann ist das Zeit für uns. 
  4. Bei den geringsten Anzeichen von grippeähnlichen Symptomen in Isolation gehen und einen Arzt kontaktieren. Informationen zum richtigen Vorgehen bei Verdacht auf Covid-19 findest Du hier: 

Unabhängige Patientenberatung Deutschland – 0800 011 77 22

Bundesministerium für Gesundheit (Bürgertelefon) – 030 346 465 100

Allgemeine Erstinformation und Kontaktvermittlung – Behördennummer 115 (www.115.de)

Beratungsservice für Gehörlose und Hörgeschädigte – Fax: 030 / 340 60 66 – 07 info.deaf@bmg.bund(dot)de / info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Gebärdentelefon (Videotelefonie) –  https://www.gebaerdentelefon.de/bmg/

Handsanitizer-Coronavirus-Covid19
Bildquelle: Unsplash

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